Dienstag, 24. April 2012

Ostfriesland: In Emden wird am besten verdient

entnommen aus Ostfriesen-Zeitung

 von Jörg Schürmeyer

Zitat:

Oldenburg - In Niedersachen ist das regionale Lohngefälle laut einer Ifo-Studie so stark wie sonst in keinem anderen Bundesland. Das zeigt sich auch besonders in Ostfriesland:
  • Während im Landkreis Wittmund die durchschnittliche Arbeitsentgelte mit 22,02 Euro pro Stunde so niedrig sind wie in sonst in keinem anderen westlichen Bundesland, schafft es Emden bei den realen Stundenlöhnen bundesweit sogar unter die Top Ten
Dazu trägt nach der Analyse des Ifo-Instituts vor allem Arbeitgeber VW bei.
  • Das Lohngefälle hängt stark von der Branche ab.
 
 Gehalt: Wittmund ist Schlusslicht

Studie: Nirgendwo sonst sind Arbeitsentgelte in West-Bundesändern so niedrig. Das geht aus einer Erhebung des Ifo-Instituts hervor. Emden liegt über den Landesdurchschnitt.

Dresden / Oldenburg / Bremen - In keinem Bundesland ist das regionale Lohngefälle so stark wie in Niedersachsen. Wie aus einer jetzt veröffentlichten  des Ifo-Instituts hervorgeht, liegen die durchschnittlichen Arbeitsentgelte mit 22.02 Euro dagegen so niedrig wie in keinem anderen westdeutschen Landkreis oder kreisfreien Stadt.

"Das Lohnniveau hängt stark von der Branchenstruktur ab", sagt der Autor der Studie, Professor Joachim Ragnitz (Ifo Dresden), der OZ. In Niedersachsen gebe es starke industrielle Zentren ebenso wie eher strukturschwächere ländlich geprägte Regionen. In Städten sowie in Regionen, in denen sich Industrien mit einer hohen Wertschöpfung (etwa Autobau, Chemie, Luftfahrt) angesiedelt hätten, seien die Stundenlöhne tendenziell höher.

Dies erklärt auch, warum bundesweit Wolfsburg (VW), Ludwigshafen (BASF) und Ingolstadt (Audi) vorn liegen, während regional die Stadt Emden (VW / Gesamtrang 23) und die Wesermarsch (Luftfahrt / Rang 30) besonders gut abschneiden.
  • Insgesamt werden im Nordwesten aber vergleichsweise niedrige Stundenlöhne gezahlt. 
  • Abgesehen von Emden und der Wesermarsch liegen alle Kreise sowohl unter dem Niedersachsen - als auch dem Bundesdurchschnitt. 
Bundesweites Schlusslicht ist der Landkreis Rügen.

"Die Lage relativiert sich aber etwas, wenn man die jeweiligen regionalen Preisniveaus mitberücksichtigt" (in der Grafik Stundenlohn real).
Da in weiten Teilen des Nordwestens die Lebenshaltungskosten, etwas Wohnmieten, vergleichsweise niedrig sind, können sich fast alle Kreise und Städte verbessern. Emden und die Wesermarsch schaffen es hier sogar bundesweit unter Top Ten.
Ifo hat für die Untersuchung die vom Arbeitskreis Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder erhobenenen Brutto-Stundenlöhne des Jahres 2009 für 413 Kreise und kreisfreie Städte miteinander verglichen.

* * *

(... wen hat diese Studie in Emden und anderen Städten befragt und als rechnerische Grundlage genommen ? Sicherlich einen Arbeitnehmer aus dem VW-Werk + Statistiken der VW-Geschäftsführung ... hier in Emden, und das hat sich mir nur allmählich erschlossen, indem man rechts und links hinhört, was die Leute sich so erzählen, ergibt sich ein Bild, das sich immer nur noch um VW dreht => 
  • Was macht das Arbeiten am Band und an den Produktionslinien so interessant, die Tätigkeit als solches oder die zeitweilige finanzielle Absicherung ?
  • Wie hoch ist die Personenanzahl auf der Liste von Zuliefer- und Zuarbeiterfirmen ? 
  • Wie kommt man über wen ins VW-Werk, über den Schwager, über sie, über ihn ? 
  • Wann hat man wieder die Chance, dort eingestellt zu werden ? 
  • Wieviel verdienen die im Vergleich zu anderen ?

So ist auch Enercon (im Volksmund auch als "Alcatraz" bezeichnet) in Aurich gewaltig auf den Vormarsch, sie sind das, was VW für Emden ist: 
  • Brötchengeber Nr.1 und Alleinherrscher. 
Keine Chance also, sein technisches und handwerkliches Wissen und Können innerhalb eines Klein- oder Mittelbetriebes einzusetzen, und wenn überhaupt zu niedrigen finanziellen Konditionen + hohe Fluktuaktion in Form von ständigem Arbeitswechsel.
  • Arbeiter am Laufband und an den Produktionslinien werden besser bezahlt (es sei ihnen aber gegönnt) als Arbeitnehmer, die beispielsweise den Techniker oder Meister gemacht haben.
Insgesamt gewinnt man also immer mehr den Eindruck, als würden solche Großfirmen und Konzerne den Regionen ihren wirtschaftlichen Stempel aufdrücken inklusive Mentalität und Denkweise !
  • (s.a. maßgeschneiderte Infrastrukturen mit Exklusivrechten ausgestattet und zugesichert, die ein Einzelner juristisch nie durchboxen könnte)
In diesem Zusammenhang und in diesem Licht kann man mal all die wirtschaftspolitischen Reden und Diskussionen mal bewerten und sich ernsthaft die Frage stellen, ob Menschen in verantwortlichen Positionen überhaupt gewillt sind, Strukturen finanzieren, in denen handwerkliche und technische Diversität und Selbständigkeit gefördert wird.


Der Teufelskreislauf beginnt, so vernimmt man von ehemaligen Selbständigen, im Preisdiktat eines freien Wettbewerbs => da werden Ausschreibungen auf Teufel komm raus unterbooten und derart knapp kalkuliert, dass man sich fragen muss:
  • Und welche Auswüchse fordert ein solches System ?
  • Ist Lohndumping eine Folge dieses Teufelskreislaufs oder ist er Ursache ?
  • Welche Klein- und Mittelbetriebe in welcher Form und Größe haben langfristig überhaupt noch eine Chance zu bestehen ?
Wo bleiben all die Verlierer dieses Systems oder noch besser formuliert:
  • Sind Politik und Konzerne auf ewig miteinander verheiratet, und liegt die finanzielle und berufliche Planungssicherheit nur noch als Arbeitnehmer in konzernartigen Strukturen ?
+
  • Gibt es überhaupt noch den "sogenannten" freien Wettbewerb ???
Eigentlich nichts Neues im Westen, aber vor dem Hintergrund, dass Deutschlands Wirtschaft im Vergleich zu anderen Ländern wächst, dürften sich all diese Frage überhaupt nicht stellen. Sie werden aber immer wieder gestellt, und sie werden immer unbeantwortet bleiben,
  • solange die Politik nicht Rede und Antwort steht, was "freie Marktwirtschaft" und "Chancengleicheit" bedeutet, und wem (!!!) sie ihre Ausgestaltung überlässt ?
* * *

(... wenn die Politik wenigstens sagen würde, dass man in einem freien Wettbewerb ein Schwein sein muss, um persönlich zu bestehen und voranzukommen, dann kann man ohne große Gewissenbisse einen Mentalitätswechsel in Erwägung ziehen ...)

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